Zwei ganz wertvolle Punkte für den Verfolger
Wird der Schachverein Seubelsdorf in der Bezirksoberliga zum „Königsmacher“? Gegen Spitzenreiter Kulmbach unterlagen die Lichtenfelser bereits knapp. Wie sollte es gegen den Zweitplatzierten Oberkotzau laufen? Blick auf ein spannendes Spitzenspiel und einen in mancher Hinsicht vorentscheidenden vorletzten Spieltag.
Unser Spiel des Tages: Konzentriert, aber locker – so lassen sich die Blicke an den Spitzenbrettern kurz vor dem Wettkampf Seubelsdorf – Oberkotzau deuten. (Foto: Christina Leuchsenring) Die Hausherren, im sicheren Mittelfeld, hatten erneut die Möglichkeit, entscheidend in die Meisterschaft einzugreifen. Und lange sah es auch danach aus, als würden sie den Oberkotzauern zumindest einen Zähler abknöpfen. Ein Knackpunkt: Hans Hertel brach Tizian Wagners Siegesserie mit einem Remis bei ungleichen Läufern. Ein weiterer: Nachwuchsspieler Felix Schindler – noch mit 1700 geratet – schlug Marko Hofmann – der erst jüngst bei der „Oberfränkischen“ auftrumpfte – souverän. Am Ende reichte es für die Gäste zu einem 4,5:3,5-Sieg. Man muss es immer wieder erwähnen, weil man es sonst kaum glauben kann: Der ATSV Oberkotzau ist Neuling in der Bezirksoberliga, und er hat nach wie vor die reele Chance auf den Durchmarsch in die Regionalliga.
| 5 | SV Seubelsdorf 1 | DWZ | – | ATSV Oberkotzau 1 | DWZ | 3½ – 4½ | ||
| 1 | 1 | Gegenfurtner, Jürgen | 2294 | – | 1 | Shashkin, Igor | 2062 | 1 – 0 |
| 2 | 2 | Wagner, Tizian | 2066 | – | 4 | Hertel, Hans | 2003 | ½ – ½ |
| 3 | 3 | Hofmann, Marko | 2054 | – | 5 | Schindler, Felix | 1700 | 0 – 1 |
| 4 | 4 | Bergmann, Matthias | 1917 | – | 7 | Leuchsenring, Christina | 1862 | 1 – 0 |
| 5 | 6 | Hanschkow, Clemens | 1673 | – | 8 | Hertel, Hannes | 1824 | 0 – 1 |
| 6 | 9 | Schumacher, Andrej | 1565 | – | 9 | Shkondin, Ivan | 1737 | 1 – 0 |
| 7 | 10 | Kühnberger, Maximilian | 1478 | – | 10 | Fraaß, Rudolf | 1712 | 0 – 1 |
| 8 | 15 | Hofmann, Bojana | 1404 | – | 15 | Schmidt, Walter | 1491 | 0 – 1 |
Das Oberhaus: Kulmbach – Bamberg 3 lautete das zweite Spitzenduell in der Bezirksoberliga. Die Vorzeichen waren jedoch andere, als sie noch zu Saisonbeginn gewesen wären. Die Gäste traten nur zu siebt an und waren an fast allen Brettern nominell unterlegen. Folgerichtig der 7:1-Kantersieg für die Bierstädter, die Platz eins verteidigen. Einen Mannschaftspunkt Vorsprung haben die Kulmbacher, nach Brettpunkten sind sie gleichauf mit Verfolger Oberkotzau. Das verspricht Hochspannung fürs Finale. Diese Dramatik setzt sich im Abstiegskampf fort. Das Kellerderby zwischen Kirchenlaibach und Sonneberg endete 4:4 – ein Ergebnis, das beiden wenig nützt. Bindlach 2 unterlag deutlich und weist die mit Abstand schlechteste Brettpunktbilanz auf – das könnte in der Endabrechnung noch wichtig werden. Kirchenlaibach und Bindlach 2 zieren das Tabellenende. Nach momentanem Stand kann es passieren, dass zwei Absteiger aus der Regionalliga nach Oberfranken kommen, das würde bedeuten: drei Absteiger aus der Bezirksoberliga.
Der Osten: Ein Absteiger aus der Regionalliga Nord-West steht schon fest. Der 1. FC Marktleuthen – 27 Jahre (!) in den bayerischen Ligen etabliert – spielt ab Herbst wieder in der Bezirksoberliga. Ob Marktleuthen 1 dort auf Marktleuthen 2 treffen wird, klärt erst der letzte Spieltag der Bezirksliga Ost. Durch einen knappen Sieg in Rehau wahrte die Marktleuthener Reserve ihre Titelchance. Tabellenführer Hof 2 ließ aber nichts anbrennen und baute – bei gleichen Mannschaftspunkten – den Brettpunkt-Vorsprung aus. Der Abstiegskampf spitzt sich weiter zu – auch in dem Wissen, dass möglicherweise vier Mannschaften die Liga verlassen müssen. Ungewöhnlich hart könnte es dabei den Schachkreis Marktredwitz/Stiftland treffen mit aktuell drei Teams in der Abstiegszone. Zittern müssen auch die Aufsteiger Kulmbach 2 und Schwarzenbach/Wald.
Der Westen: Herzlichen Glückwunsch an den Schachklub Michelau zur Meisterschaft in der Bezirksliga West! Auch wenn Mathematiker einwenden mögen, dass dies noch nicht 100-prozentig ist, kann man sich schon aus dem Fenster lehnen. Zu groß der Abstand der Michelauer auf den Zweitplatzierten Nordhalben: Zwei Mannschaftspunkte und 7,5 Brettpunkte beträgt der Vorsprung. Da hilft den Frankenwäldlern nicht mal mehr ein (Stefan oder Horst) Wunder zum Wiederaufstieg. Den Matchball verwandelte Michelau gegen Höchstadt 2, während Nordhalben gegen Strullendorf nur unentschieden spielte. In der zweiten Hälfte der Tabelle wird heftig gezittert. Bei Bamberg 4 – diesmal nur zu fünft – nehmen die Ausfälle zu. Rettet sich die Mannschaft trotzdem über die Ziellinie? Für Tettau, das gegen Schlusslicht Hollfeld/Memmelsdorf 2 unterlag, und für Mönchröden/Ebersdorf, das gegen Neustadt 2 verlor, wird die Luft sehr dünn.
Das Finale: Die Bezirksoberliga erwartet am 26. April ein Herzschlagfinale. Kulmbach muss nur gegen Weidhausen gewinnen, um die Meisterschaft zu holen. Dieses „nur“ streichen wir gleich wieder, denn Weidhausen wird alles daran setzen, wieder in letzter Minute den Abstieg zu verhindern. Kulmbachs Widersacher Oberkotzau hat gegen Schlusslicht Bindlach 2 die vermeintlich leichtere Aufgabe. Im Kampf um den Klassenerhalt droht Sonneberg der Absturz von der Regionalliga (vergangene Saison) in die Bezirksliga (kommende Saison). Ein Sieg gegen Hollfeld/Memmelsdorf muss her. In der Bezirksliga Ost kommt es auf Rehau an: Kann der ASV dem PTSV-SK Hof 2 kurz vor dem Titelgewinn ein Bein stellen? Und die West-Liga konzentriert sich voll auf den Abstiegskampf. In zwei Wettkämpfen treffen akut bedrohte Mannschaften direkt aufeinander. Meister Michelau kommt zum Schaulaufen nach Strullendorf.

